Tanzfreude und Arbeitsfrust

Zu schnell waren die 6 Wochen vorbei.
Ich war zurück im Polizeileben und meinem Tanzalltag.

Nach wie vor hatte ich kaum Werbung für meinen Kurs gemacht.
Der Kurs war daher nicht gewachsen.
Ein paar meiner einzigen Kunden teilten mir nun mit, dass sie mit dem Tanzen aufhören müssten.
Eine zog aufgrund der Arbeit weg, eine andere hatte plötzlich kein Geld mehr.

Ich fragte mich, ob und wie es weitergehen sollte.
Wollte ich unterrichten?
Oder sollte ich es einfach lassen.
Mithilfe eines Bekannten erstellte ich eine eigene Website und meine ersten Flyer.
Ich wollte es probieren.

Tanzen Lüneburg

Es dauerte gar nicht so lange und plötzlich erhielt ich Anfragen und mein Kurs wuchs innerhalb kürzester Zeit so stark, dass ich einen 2. und nicht viel später einen 3. Kurs eröffnete.
Der Knoten bei mir platzte und ich begann das Unterrichten als meine Bühne zu sehen und es zu genießen.
Es machte mir plötzlich viel Freude das, was mir Spaß machte, zu teilen.
Die Freude und Dankbarkeit, die ich in dieser Zeit zurückbekam, machten mir außerdem Mut.

Zeitgleich verschlechterte sich die Stimmung auf unserer Dienststelle zunehmend.
Das hing mit verschiedenen Dingen zusammen.
Als ich auf meiner Dienststelle begonnen hatte, waren wir in einer Schicht meist 6 Leute.
Das war jetzt nicht mehr denkbar.
Es gab viel zu viele Fehlstellen bei der Polizei und das war mehr und mehr zu spüren.
So war es kaum noch denkbar, dass wir mehr als 3 Leute im Dienst waren.
Und mit diesen 3 Leuten hatten wir einen sehr großen Bereich abzudecken.
Wenn man mit einer Sache, z.B. mit einem schweren oder tödlichen Verkehrsunfall beschäftigt war, hatte man damit immer mehrere Stunden zu tun und war für andere Dinge schlichtweg nicht greifbar.

Dem Bürger ist wahrscheinlich nicht bewusst, dass in dieser Zeit nur noch ein Beamter für ihn da ist.
Trotzdem sollte die Personalknappheit noch schlimmer werden.
Ich arbeitete auf einer recht kleinen Station.
Es gab keine Sondereinheiten, die bei einem Verkehrsunfall oder Tötungsdelikt sofort vor Ort waren.
Wir waren bei allen Angelegenheiten immer die ersten und wenn jemand uns ablöste, dann dauerte das.
Das fand ich damals interessant und vielschichtig.