02 Sep 2020
September 2, 2020

Kapitel 29 – Freiheit

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Freiheit

Der letzte Tag nach 16,5 Jahren bei der Polizei war vorbei.
Noch war ich Beamtin auf Lebenszeit.
Ein sicherer Job, sicheres Gehalt – alles würde ich nun aufgeben.

Ich hatte noch 2 Wochen Resturlaub bevor der neue Ernst des Lebens für mich begann.
Es war wie die Ruhe vor dem Sturm.
Noch einmal Kraft tanken und durchatmen.

Mein Weg in die Selbständigkeit

Ich hatte in dieser ganzen Zeit keinen Partner, der mich unterstützte.
Ich musste da ganz allein durch.
Emotional und finanziell.
Ein Gehalt würde ich ab dem nächsten Monat und dem neuen Jahr 2014 nicht mehr beziehen.
Meine Kosten blieben aber zum größten Teil gleich.

Dann war es da!
Ein neues Jahr und ein neues Leben!
Ich hatte so viele schlaflose Nächte im letzten halben Jahr, so viel Existenzangst gehabt.

Nun wachte ich im neuen Jahr auf und fühlte mich befreit.
Ja, plötzlich war ich frei und alles was jetzt passieren sollte, würde von mir abhängen.
Ich hatte mein Glück in der Hand.
Das fühlte sich gut an.

So begann ich energiegeladen meine erste Woche.
Ich hörte nicht auf zu arbeiten.
Wenn ich zu Hause war, machte ich das Büro.
Kümmerte mich ums Marketing, nahm Kontakt zu Menschen auf, die mich unterstützen könnten und schrieb jede Menge Konzepte.
Die Konzepte schickte ich an Schulen, wo ich unterrichten könnte oder an große Firmen, wo ich Tanzen als Teamentwicklung anbieten könnte. Ich schrieb Konzepte für Tanzen als Integration und, und, und.

Nach einer Woche war ich total erschöpft und erschrocken.
Mir wurde bewusst, wenn ich so weiter mache, habe ich ganz schnell ein Burn Out.
Ich musste mir bewusst Auszeiten nehmen.

Gerade wenn man einen so körperlichen Beruf hat, der Kreativität und körperliche Fitness erfordert, ist das umso wichtiger.
Aber sich diese Pausen zu nehmen, ist gar nicht so einfach, wenn man von zu Hause aus arbeitet und Existenzangst hat.
Man muss lernen darauf zu vertrauen, dass alles funktioniert, und den Computer bewusst ausschalten.
Bewusst andere Dinge tun, die auch den Kopf freimachen.

Dies fiel mir anfangs sehr, sehr schwer.
Meine Kurse, die ich neu geplant und teilweise bereits begonnen hatte, liefen ganz gut an.
Ich war noch immer in verschiedenen Studios untergemietet.
Ich dachte, das wäre ein großer Vorteil.